Picasso Museum Münster
Joan Miró, Moderausch, Gelb, 1969, Lithografie // Modeschau in China, 1969, Lithografie // Anprobe I, 1969, Lithografie auf Velin-Arches // Modeschau in Peru, 1969, Lithografie auf Velin-Arches © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Sonntag29.11.2020


AKTUELLE INFORMATION:
Aufgrund der aktuellen Corona-Lage bleibt das Picasso-Museum bis voraussichtlich 30. November 2020 geschlossen.

AUSSTELLUNSVERLÄNGERUNG:
Die Ausstellung "Picasso/Miró - Eine Künstlerfreundschaft" wird bis
28. Februar 2021
verlängert.

Aktuelle Ausstellung

Picasso/Miró - Eine Künstlerfreundschaft

19. September 2020 - 28. Februar 2021

Joan Miró, Tambourmajor, 1980, Radierung // Der Stabsunteroffizier, 1978, Radierung und Aquatinta auf Arches © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens widmet sich das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster der außergewöhnlichen Beziehung zwischen den beiden Jahrhundertkünstlern Pablo Picasso und Joan Miró. Die Ausstellung „Picasso/Miró – Eine Künstlerfreundschaft“ zeichnet mit über 100 Lithografien, Radierungen, Aquatinten, Holzschnitten, Fotografien, Filmen und einem Brief von Joan Miró die sich immer wieder kreuzenden Wege der beiden Spanier nach. Die Schau ist thematisch gegliedert und inszeniert die unterschiedlichen künstlerischen Temperamente von Picasso und Miró anhand einzelner Werkensembles, die Namen wie „Maskeraden“ oder „Bestiarium“ tragen.

Joan Miró (1893-1983) und Pablo Picasso (1881-1973) verband eine lebenslange Freundschaft. Beide Künstler waren im Hinblick auf ihre Persönlichkeit und ihren Stil jedoch denkbar unterschiedlich. Der rund zwölf Jahre ältere Picasso ist bereits ein renommierter Künstler, als Miró ihn erstmalig Ende Februar 1920 in Paris besucht. Die elterlichen Familien kannten sich aus Barcelona und standen in freundschaftlichem Kontakt. So überbringt Miró Picasso anlässlich ihrer ersten Begegnung einen Kuchen seiner Mutter. Picasso unterstützt den jungen Kollegen, indem er ihm Kontakte zu Pariser Kunsthändlern vermittelt. Mirós erster Ausstellung in der Pariser Galerie La Licorne im Sommer 1921 ist jedoch kein Erfolg beschieden. Er bekennt brieflich gegenüber Picasso, dass Barcelona im Hinblick auf die künstlerische Avantgarde „einen Rückstand von rund 50 Jahren“ gegenüber Paris habe. Diese pulsierende Metropole wird für ihn ein Ort, wo er die aktuellsten Avantgardeströmungen verfolgen und künstlerisch assimilieren kann.

Picasso wie Miró sind erklärte Feinde der nicht-gegenständlichen Kunst, die sie als seelenlose und sterile Machwerke verurteilen. So wird der Realitätsbezug in der Kunst der beiden nie gänzlich aufgegeben. Auf die gemeinsame Barcelona-Vergangenheit anspielend, vertraut Picasso seinem Landsmann an, er meine, dass beide „im selben Viertel“ wohnhaft seien und fügt hinzu: „Dasselbe intellektuelle Viertel, das ist doch schön.“ Während jedoch Picasso als der große Zerstörer in der Kunst der Moderne gilt, der kraftvoll und virtuos kubistische Formzertrümmerung mit surrealistischer Gestaltverwandlung verbindet, gilt Miró als katalanischer Konkurrent zu Paul Klee und als Schöpfer einer vordergründig kindlich-fantastischen Welt. Doch entsprechend seinem Temperament, das er als „tragi-komisch“ bezeichnet, verbirgt sich bei Miró hinter der heiteren Oberfläche häufig eine durchaus ernste und tiefgründige Sichtweise auf die Welt.

Eine wichtige Rolle in der Ausstellung „Picasso/Miró“ spielt der Einfluss des Surrealismus auf das Schaffen der beiden Künstler in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren. Ferner beleuchtet sie, wie sie schöpferisch mit der Kunstgeschichte in Gestalt von Variationen nach alten Meistern umgingen. Die Gegenüberstellung ihrer grafischen Werke zeigt ihr unterschiedliches Bilddenken und ihre differierenden Arbeitsweisen: Während Miró seine Grafiken minutiös entwarf, ging Picasso operativ, ohne präzise Bildidee ans Werk und konkretisierte diese erst bei der Arbeit. So führte er einmal aus: „Ein Bild ist nicht von vornherein fertig und ausgedacht. Während man daran arbeitet, verändert es sich im gleichen Maße wie die Gedanken.“ Neben Picassos häufigen Richtungs- und Stilwechseln erscheint Mirós Schaffen gradliniger. So verglich dieser einmal seine künstlerischen Werkprozesse mit der sorgsamen Arbeit eines Gärtners, der die ihm anvertrauten Gewächse umhegt und pflegt. Beide Großen der spanischen Kunst eint jedoch der Umstand, dass sie zeitlebens nie den Schritt in die völlige Abstraktion vollzogen.

Im Rahmen der Ausstellung wird erstmalig die Miró-Kollektion des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe präsentiert. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Museums hat der Verband dem Haus eine auf dem Pariser Kunstmarkt über Jahre hinweg aufgebaute Kollektion von Miró-Grafiken als Dauerleihgabe übergeben. Die Werke spannen einen Bogen von den ersten Radierungen Mirós im Jahr 1938 bis zum Jahr 1981. Zwei Jahre vor seinem Tod wird er darum gebeten, das offizielle Werbeplakat für die Fußball-Weltmeisterschaft 1982 in Spanien zu entwerfen.

Wie kein anderer Künstler ist Joan Miró zum mustergültigen Repräsentanten eines freiheitlichen, weltoffenen und demokratischen Spaniens geworden. Der höfliche und schüchterne Künstler führt 1977 im Rahmen eines Interviews aus: „Nach Picassos Tod habe ich in Spanien seine Nachfolge angetreten.“

David Douglas Duncan, Pablo Picasso als Spanier, mit Hut und Umhang der Sevillaner, 1957, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
David Douglas Duncan, Pablo Picasso als Spanier, mit Hut und Umhang der Sevillaner (Detail), 1957, Villa La Californie, Cannes, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster © David Douglas Duncan/Harry Ransom Center